Irritiert zeigte sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch (Hohenstein) über einen offenen Brief der Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft, indem diese die Abgeordneten des Deutschen Bundestages auffordern, den Euroschuldenschirm weiter aufzublähen und ihm weitere Kompetenzen zur Übernahme der Defizite der Euro-Schuldenländer zu übertragen. BDA, BDI, DIHK und ZDH machen offensiv Lobbyismus für die Umwandlung der EU in eine Transferunion, so Willsch. Das sei sehr bedauerlich und zeige, wie kurzfristig die angesprochenen Wirtschaftsverbände "ihre Politik" betrieben.
Dass es auch anders und vor allem mit Weitsicht geht, habe vor Kurzem bereits die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) bewiesen. Den hessischen Bundestagsabgeordneten war nämlich schon im August ein Papier mit der genau entgegengesetzten Forderung, das deutlich mehr Sachverstand offenbarte, zugegangen. In ihrem Positionspapier vom 18. August lehnte die VhU "eine Aufstockung des Rettungsfonds für Euro-Länder ab" und sprach sich "strikt gegen dauerhafte Euro-Bonds aus". "Die VhU fordert die Europa-, Bundes- und Landespolitik auf, dafür einzutreten, dass die Euro-Länder gegenüber hochverschuldeten Ländern und ihren Gläubigern keine weiteren Fehlanreize durch Dauerhilfen setzen, sondern dem Prinzip der Haftung, das für eine funktionierende Marktwirtschaft konstitutiv ist, wieder Geltung zu verschaffen. Die VhU erwartet auch von der hessischen Landesregierung, sich dafür einzusetzen", heißt es in der Stellungnahme der hessischen Unternehmerverbände. "Das sind klare Worte, die ich sehr begrüße", so Willsch. Auf Nachfrage bei der VhU wurde dem Abgeordneten mitgeteilt, dass deren Position unverändert sei. Willsch erleichtert: "Das zeigt, dass man in Wiesbaden bei den hessischen Unternehmerverbänden noch das Ohr an der Basis hat, anders als die Funktionäre in Berlin, die offenbar dem Kanzleramt gefallen wollten."
Genauso sei es ein gutes Zeichen, dass der Verband der Familienunternehmer ebenso umgehend BDA, BDI, DIHK und ZDH widersprachen wie der Verband der Jungen Unternehmer. "Es ist eben ein Unterschied, ob jemand mit seinem eigenen Herzblut und Vermögen für ein Unternehmen einsteht oder eben nicht. Für jemanden, der selbst mit eigenem Kapital und gutem Ruf haftet, ist es eben schwer verständlich, wenn die Einheit von Risiko und Haftung voneinander entkoppelt wird", so der Bundestagsabgeordnete.