Für 10.316 Tage sollte die deutsche Hauptstadt physisch geteilt sein, als in der Nacht vom 12. auf den 13. August 1961 der Bau einer der am stärksten gesicherten Grenzanlagen ihrer Zeit begann: der Bau der Berliner Mauer. Um 1:05 Uhr gingen am Brandenburger Tor die Lichter aus und 80 Grenzübergänge in Berlin wurden abgeriegelt. Die künstliche Trennung der Deutschen wurde damit innerhalb von 45 Minuten besiegelt. Erich Honecker leitete die Operation „Rose“ operativ und überwachte die Maßnahmen selbst vor Ort. „Der Mauerbau ist einer der bittersten Tage der deutschen Nachkriegsgeschichte. Er wurde möglich, als die Sowjetunion schlussendlich dem jahrelangen Drängen Walter Ulbrichts zur Abriegelung Berlins nachgab“, merkt der direkt gewählte Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises 177, Klaus-Peter Willsch, an.
Bis zu 2.400 Menschen stimmten im Sommer 1961 täglich mit den Füßen ab, indem sie ihr Leben in der DDR hinter sich ließen und ein freies Leben im Westen suchten. Wie bereits beim Volksaufstand vom 17. Juni 1953 zeigte sich das Pankower Regime unwillig, die grundlegenden Mängel und die fehlende Legitimation des Systems anzuerkennen und dem offenen Wunsch der Bürger nach mehr Freiheit und Selbstbestimmung nachzukommen. Stattdessen lautete die Antwort erneut Unterdrückung und Abriegelung, um den bereits kurz nach Errichtung bröckelnden „Arbeiter- und Bauernstaat“ zu stabilisieren. Marktwirtschaft und Sozialismus, Freiheit und Diktatur sowie Rechtsstaatlichkeit und Willkür standen sich seitdem innerhalb Deutschlands gegenüber. Selbst beim Bau der Mauer griff das DDR-Regime auf Zwang zurück: Arbeiter wurden gegen ihren Willen eingesetzt, um ihre eigenen Landsleute einzusperren.
Die Mauer und die innerdeutsche Grenze mit insgesamt 1,3 Millionen Anti-Personen-Minen, 60.000 Selbstschussanlagen, Schützen und einem perfiden System der Angst konnten den Wunsch nach Selbstbestimmung, Einheit und Freiheit nicht zerstören. Mit der friedlichen Wiedervereinigung erhielten Freiheit und die Würde des Menschen wieder in ganz Deutschland Einzug. Die Zeit der deutschen Teilung ist vorbei, doch die Erinnerungen wachzuhalten ist unsere Pflicht.
Zum 65. Jahrestag des Mauerbaus gedenken wir der 75.000 Menschen, die wegen Republikflucht vor DDR-Gerichte gebracht wurden und schlimmste Repressalien erleiden mussten. Wir gedenken der etwa 140 Menschen, die an der Berliner Mauer ihr Leben verloren, sowie der rund 1.000 Menschen, die im Zusammenhang mit Fluchtversuchen aus der DDR ums Leben kamen. „Wir zollen denjenigen unseren Respekt, die vor Diktatur, Unterdrückung und Bespitzelung flohen und in der DDR für Freiheit eintraten. Ohne ihren kontinuierlichen Widerstand hätte die Mauer niemals Risse bekommen“, ordnet Willsch ein.
Gerade vor diesem Hintergrund ist es unverständlich, dass beim Bundeskongress der Linksjugend das DDR-Staatswappen an der Wand hing und weder Tagungsleitung oder Bundesvorstand einschritten. Ebenso unverständlich ist, dass der mittlerweile aufgelöste Bundesarbeitskreis „Agitationspropaganda“ Bilder von Stalin, Mao und Honecker verbreiten konnte und sich selbst in der Tradition „realsozialistischer Staaten wie der DDR“ sah. Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk führte der aufgelöste Arbeitskreis mit Blick auf die Mauertoten und die Inhaftierung Oppositioneller aus, dass die Revolution Opfer erfordere. Zwar erklärt die Linksjugend, dass sie die DDR aufgrund fehlender Demokratie, Grundrechtseinschränkungen und Repressionen ablehne und auch der Bundesvorstand der Linken hat sich gegen Stalinismus positioniert, dennoch ist klar, wie ernst die Linken es mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung meinen. „Ob der Arbeitskreis weiterhin besteht oder nicht ist irrelevant. Solches Gedankengut verschwindet nicht mit der Auflösung von Strukturen oder Distanzierungen auf Vorstandsebene. Wer aus der Vergangenheit gelernt haben will, kann einer kollektivistischen Partei wie ‚Die Linke‘ unmöglich die eigene Stimme geben. Sie trägt das Erbe der Mauerschützen und der SED personell, programmatisch und ideologisch weiter. Auch ein ‚demokratischer Sozialismus‘ ist ein kollektivistisches, menschenfeindliches und autoritäres System, das von Repressalien und Machtfülle lebt. Ebenso unverständlich ist es, dass heute demokratische Parteien bereit sind, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Die massenhafte Flucht der DDR-Bürger beweist die Unterlegenheit des sozialistischen Systems. Eine Zeit wie diese darf sich niemals wiederholen“, mahnt Willsch. „Dass bei einer AfD-Veranstaltung in Sachsen-Anhalt die DDR-Hymne angestimmt und vom Co-Parteichef Tino Chrupalla mitgesungen wird, ist an Geschichtsvergessenheit kaum zu überbieten!“
Freiheit und Demokratie sind nicht garantiert. Das Vermächtnis der Opfer verpflichtet uns, die Vergangenheit zu kennen und die Zukunft in den Blick zu nehmen. Seit dem Mauerfall sind in Deutschland etwa 25 Millionen Kinder zur Welt gekommen, die das Leid der deutschen Teilung nicht selbst erfahren haben. Umso wichtiger ist es, diesen Kindern die Nachkriegsgeschichte näher zu bringen und zu vergegenwärtigen, dass Freiheit und Demokratie keine Selbstverständlichkeit sind und täglich neu verteidigt werden müssen.